Überblick zur Geschichte des Bendiktinerinnen -
Nonnenklosters Rühn
Mitten im Stiftsland der Schweriner Bischöfe liegt der
Ort Rühn im Landkreis Güstrow. Zur Erklärung des
Ortsnamens wird der slawische Personenname Run
herangezogen: ein Hinweis auf eine frühe
Entstehungszeit dieser Siedlung.
Die landschaftlich schöne Lage abseits der großen
Durchgangsstraßen prägt noch jetzt das Dorf und lässt
etwas von der klösterlichen Stille im Mittelalter
erahnen.
In seltener Vollständigkeit sind uns Abschriften und
Original - Urkunden aus der Gründungszeit des Klosters
erhalten geblieben. Sie erzählen von den langjährigen
Bemühungen um die Gründung und den ersten Schritten
zur allmählichen Selbständigkeit.
Über die Anfänge berichtet Erzbischof Gerhard II.
von Bremen, dessen Autorität die "Slawenbistümer"
Lübeck, Ratzeburg und Schwerin unterstellt waren, im
Jahre 1233 in einer Urkunde: "... die Fundation des
Jungfrawen - Closters Rune (ist) so vom ersten Bischoffe
zu Zwerin, Bernone, wol angefangen, aber von seinem
Successore Brunwardo zu werck gericht worden ..."
Bei der Bestätigung des Rühner Klosters 1239 durch
den Schweriner Bischof ·Friedrich geht dieser auf die
Ursachen der Gründung ein:
Er (Bischof Brunward) sei auch zu anrichtung des
Closters verpflichtet gewesen, weil mit solchem Anhange
und bescheide das land Buzhiowe der Kirchen oder Stiffte
Zwerin gegeben worden, das der Bischoff ein Closter
darin bawen solte". Wir können aus diesen
urkundlichen Mitteilungen auf ein Versprechen schließen,
das der erste Schweriner Bischof Berno (1158-1191) bei
der Übernahme des Stiftslandes (1171) ablegte - nämlich
ein
Kloster in demselben zu errichten. Aus den späteren
Urkunden geht hervor, dass er damit wohl auch begonnen
haben wird. Doch die widrigen Zeitverhältnisse ließen
die Gründung über das Stadium der Vorbereitungen nicht
hinauskommen: Kriegszüge und Slawenaufstände
verunsicherten Norddeutschland, der Tod des slawischen
Landesfürsten Pribislaw (1178), die Vernichtung des
ersten mecklenburgischen Zisterzienserklosters Doberan
(1179), die Entmachtung Heinrichs des Löwen (1181) und
endlich der Tod Bischof Bernos (1191) mit den
jahrelangen Zwistigkeiten um seine Nachfolge ließen
nicht an die Gründung einer neuen monastischen
Niederlassung denken.
Erst nach der späten Stabilisierung der Verhältnisse
im ersten Drittel des 13. Jh. konnte Bischof Brunward
das Versprechen seines Vorgängers Berno einlösen, gedrängt
durch die Forderungen der Landesfürsten. Diese
willigten 1232 zu einer Landschenkung von 100 Hufen ein
"... also das in dem selben Lande noch ein Closter
vor Canonico oder vor Nonnen uffs new gebawet ... werden
muge ..."
1233 bewidmete Bischof Brunward von Bützow das neue
Kloster "... das sein Vorfar Berno ein
Nonnencloster in Buzhiowe angefangen, aber wegen
einfalss der Wenden und anderer Vorhinderungen nicht
volnbracht (habe). Derwegen er solchs zu Rune zu wercke
gericht und das Closter mit nachfolgenden Dorffern vnd
hebungen bewidemet und dotiert hat, alss mit dem dorffe
Rune, Pyaceke (Peetsch), Nienhagen bey Rune, Brunit
(Bernitt), mit dem Hagen Altona (Moltenow), Duzcin
(Tessin), mit dem langen Hagen so von Duzcin gehet nach
Glambeke werts (Hermannshagen) etc. Gibt
auch dem Closter die Banne in folgenden Kirchen, alss:
Nienkercken , Rezhecow (Retschow), Curin , Dizcin
(Tessin), Warin, Chualiz (Qualitz), Bomgarde (Baumgarten),Boytin
, Tarnow , Parme (Parum), Satow, Lambrechtshagen bei
Parkentin, vnd ... die Kirche zu Buxisiowe mit dem banne
vnd allem rechte ... vnd eine Parre von vier dorffern,
alss Rune, Pyazeke (Peetsch), Wendisch Ghiarnyn -
(Zernin), Hanshagen".
In der erzbischöflichen Bestätigung dieser
Klostergründung wird im gleichen Jahre die Ordenszugehörigkeit
erwähnt ". . . Darin sollen sie die Regul S.
Benedicti halten ..."
Mit der Einwilligung des Domkapitels von Schwerin zur
Ausstattung (1234) und einem Schutz- und
Confirmationsbrief Papst Gregors IX. (1235) für das
neue Kloster kann die Gründungsphase als beendet
angesehen werden.
Die ersten provisorischen Klosterbauten dürften bald
angefangen und bezogen worden sein. Über die Herkunft
der ersten Klosterfrauen ist uns nichts überliefert
worden. Die benachbarten (Benediktinerinnen-)Konvente
von Sonnenkamp/ Neukloster und Dobbertin kamen aus
Arendsee/ Altmark bzw. Zeven/Niedersachsen. Fromme
Stiftungen und Erwerbungen vermehrten schnell den
Besitzstand des. Klosters, so daß die umfangreichen
Bauvorhaben ohne Verzögerungen zügig vorangetrieben
und noch im 13. Jh beendet werden konnten. Einen
Anhaltspunkt hierfür haben wir im Datum der Ablaßverleihung
anläßlich der Weihe der Marienkapelle am 21. September
1270 durch Bischof Hermann von Schwerin.
Ein Ereignis aus dem Jahre 1292 wurde selbst im
fernen Lübeck aufmerksam in der Chronik registriert:
"...By dersulven tyd des dunresdaghes to pinxten in
der nacht, wart vorbrand dat closter to Rune van
mortbernen, davon de iuncvrowen quemen in groten
schaden". Von dieser Schädigung scheint sich das
Kloster jedoch schnell erholt zu haben.
Anfang des 15. Jh. wurde in Wismar nochmals nach einem
Mann aus der Propstei Rühn
gefahndet, der dem Gotteshaus großen Schaden zugefügt
habe.
Weitere, teils unveröffentlichte Urkunden des 15.
Jh. bieten interessante Einzelheiten zur
Klostergeschichte:
1401 erfolgte eine Meßstiftung "auf dem Chore
zu halten".
1433 verordnete Bischof Hermann von Schwerin "um
dem Ausreisen und anderen Ärgernissen und
Seelengefahr zu wehren", dem Kloster einen eigenen
Beichtvater und stiftete dazu eine Vikarie am Altare
Petri und Pauli.
1450 verkaufte Jakob Vredelandt aus Bützow für das
Marienbild auf dem Chore 10 M. lüb. Rente. 1463
stiftete die Familie Koppelow ein
geistliches Lehen in "Unser Lieben Frauen
Kirche" am Altar der 11000 Jungfrauen. In den
Jahren 1474 und 1476 erfolgten Vikarienstiftungen am
Altar St. Crucis zu Ehren Gottes, Mariens, Annas,
;Andreas, Antonius, Laurentius, Katharinas, Nikolaus und
Barbaras. 1498 wurde erstmals
ein Altar Philippi und
Jakobi erwähnt. - Hiermit dürften wir also neben dem
Hauptaltar, der wie die Kirche der Gottesmutter geweiht
war, noch mindestens 4 Nebenaltäre in der Kirche gehabt
haben.
Ein markantes Datum in der Klostergeschichte stellte
die Übergabe des Patronats (und damit auch der
Einkünfte!) der Kirchen Frauenmark und Severin im Jahre
1264 dar.
Schon wenig später, im Jahre 1277, war Rühn in der
Lage, einen Gründunskonvent für das neugestiftete
Benediktinerinnen - Kloster der Altstadt von Kolberg (Kolobrzeg)
zu entsenden. Dem Propst von Rühn wurde das
Visitations- und Einspruchsrecht bei der Propstwahl
eingeräumt. Diese Tochtergründung dürfte ein
wichtiges Indiz für die Solidität
und das Ansehen des Rühner Konventes zu diesem
Zeitpunkt gewesen sein. Die
Wahl unseres Klosters als Stiftungs - Konvent könnte
durch die mecklenburgischen Klöster Doberan und Dargun
vermittelt worden sein, die in unmittelbarer Nähe
Kolbergs reichen Landbesitz hatten. Außer bei der Gründung
wurde das Mutterkloster späterhin nicht wieder in der
Klostergeschichte Kolbergs erwähnt, obwohl dem Rühner
Propst die oben zitierten bedeutsamen Rechte zustanden.
Im fehdereichen 15. Jh. wurde selbst vor
den Klöstern nicht haltgemacht. Die Übergriffe der
umwohnenden Ritterschaft auf klösterliche Rechte und
Eigentum konnten 1487/88 erst durch massive päpstliche
Schutzbriefe zurückgedrängt werden.
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